Kein Öl mehr? Gegen Cash!
Ecuador’s Präsident Correa hat einen neuen Vorstoss gewagt im Spiel um Naturschutz, Ölförderung und Emissionshandel… Ein Drittel der Einkünfte Ecuadors stammen aus dem Verkauf von Rohöl, ein Fünftel der noch vorhandenen Vorräte liegen unter dem Nationalpark Yasuni, mit einem geschätzen Förder-Wert von 7 Milliarden Dollar.
Der Yasuni Park zählt jedoch gleichzeitig zu einem der artenreichsten Gebiete der Erde mit mehr als 650 Baum-und Pflanzenarten pro Hektar. Zudem leben in diesem Gebiet zwei Stämme, die sich entschlossen haben weiterhin fern jeglicher Zivilisation und vom Staat völlig unbehelligt zu leben.
Correa vertritt nun die Meinung, dass nicht nur Ecuador verpflichtet ist, die Natur und Menschen des Parks zu schützen, sondern ja schliesslich auch die Weltgemeinschaft ein Interesse daran hat, dass das Öl unter der Erde bleibt.
Schliesslich wird so zum einen die Artenvielfalt bewahrt, zum anderen aber auch 400Millionen Tonnen CO2 weniger emittiert (dabei ist nur die Menge Co2 gerechnet, die durch das Verbrennen des Öls entstehen würde, nicht gerechnet ist der positive Effekt der Co2 Speicherkapazität des Waldes, der dadurch erhalten bleibt).
Ecuador verlangt nun für die Nichtförderung des Öls eine Entschädigung und zwar 350 Millionen $ pro Jahr , die Hälfte des Wertes. Und dies für 10 Jahre. Es soll auf jeden Fall auch für spätere Regierungen profitabler sein, den Deal mitzutragen, als das Öl zu fördern.
Dieses Geld soll von einem Trust Fund verwaltet werden, unter internationaler Aufsicht und soll hauptsächlich für soziale Zwecke und die Umwelt ausgegeben werden.
Das ecuadorianische Angebot könnte Yasuni retten, in Deutschland und Spanien ist es jedenfalls schon auf Interesse gestossen. Trotzdem gibt es auch konträre Ansichten:
Aktuell würden durch das Abkommen nicht weniger Emissionen entstehen, denn die Nachfrage nach Öl würde einfach woanders befriedigt werden. Lediglich in der Summe würde weniger Öl verbrannt.
Gegner des Vorhabens sagen, dass die grosse Summe nicht gerechtfertigt ist für solch ein kleines Stück Land. Ausserdem wäre es Ecuadors eigene Pflicht, den Wald und Biodiversität zu schützen, auch ohne internationale Hilfe
Was passiert, wenn der Ölpreis aufgrund Knappheit signifikant steigt? Dann müsste auch die Entschädigungssumme neu verhandelt werden.
Was passiert, wenn andere betroffene Länder, ähnlich Projekte starten?
Einige Antworten auf diese Einwän
de: Die Biodiversität ist in fast allen Ländern bedroht aufgrund der extremen Bedürfnisse der entwickelten Welt, wir sind direkt verantwortlich. Und wenn andere Länder ähnliche Projekte starten, dann hängt es trotzdem noch vom Willen und der Beurteilung der geldgebenden Länder ab, was passiert. Die Entscheidung ist offen. Und schliesslich schlägt Ecuador doch einen sehr fairen Handel vor: Ihr zahlt, dafür schützen wir unseren Wald und mit dem Geld tun wir auch noch Gutes. Normalerweise läuft der Emissionshandel ja eher so: Ein Industrieland bezahlt für die Einsparung von Emissionen anderswo, um dann selbst mehr Emissionen verbuchen zu dürfen…
Die Frage ist letztendlich:
Können wir es uns leisten, soviel Geld für ein solch kleines Projekt mit vielen unbeantworteten Fragen und eventuellen Risiken auszugeben?
Oder können wir es uns wirklich leisten, dies nicht zu tun?
Bisher ist allerdings noch nichts passiert.
Mehr dazu, allerdings in englisch: A forest of issues und
Januar 18th, 2010 at 11:35
Es gibt Neuigkeiten. Ecuadors Präsident Rafael Correa droht nun damit, die Ölförderung nächsten Juni zu starten.
Die NGO “Rettet de Regenwald” hat deshalb eine Unterschriften Aktion gestartet.
siehe hier:
www.regenwald.org
August 18th, 2010 at 13:52
Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hatte Ecuador offensichtlich stärkere Argumente in der Hand und jetzt hat Deutschland als erstes Land den Deal unterzeichnet.
Ecuador verpflichtet sich, gegen eine Zahlung von 3,6 Milliarden$ pro Jahr, in einem Teil des Yasuni-Parkes nicht zu fördern, das ist die Hälfte dessen, was das land für den Verkauf von dem Öl erhalten würde. Deutschland verpflichtet sich für 50 Millionen pro Jahr (für 12 Jahre).
In Ecuador ist man überzeugt, mit diesem Projekt ein wegweisender Vorreiter zu sein.
Nachzulesen in englisch:
By Alexandra Valencia
QUITO | Tue Aug 3, 2010 2:51pm EDT
QUITO (Reuters) - Ecuador signed a deal on Tuesday creating a trust fund to hold donations from Germany and other rich nations willing to pay the Andean country to refrain from drilling for oil in an Amazon wildlife reserve.
The plan, drawn up with the United Nations, applies to a 675-square-mile part of Yasuni National Park called the ITT section. Keeping oil firms out of the area would avoid dumping 410 million tonnes of carbon dioxide into the air, Ecuador says.
“This is a Ecuador’s contribution toward combating climate change,” Minister of Heritage Maria Espinosa told reporters.
Oil is Ecuador’s chief export. The country holds the rotating presidency of OPEC this year.
Yasuni National Park, in the Amazon, is home to more species of wildlife than any other place on earth — it has more different tree types than exist in all of North America, plus a huge variety of monkeys, birds and other wildlife, scientists say.
The government is asking donor countries such as Germany and Italy to pay about $3.6 billion, or about half of what the country would get from exploiting the oil, in exchange for keeping part of the area untouched.
Only Germany has signed a deal so far, promising $50 million per year over 12 years. As outrage grows over the Gulf of Mexico oil spill, Ecuador says it has a stronger argument than ever for its jungle protection plan.
“The impact of oil exploitation does not always have a technological response. There are a range of risks that we cannot control, as the disaster in the Gulf of Mexico shows us,” Espinosa recently told Reuters.
“Right now, this is an avant-garde project. Ten years from now projects like this will be the rule, not the exception,” she said. “We need new scenarios. We need post-oil economies. We need to create new models of production and consumption.”