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Kein Öl mehr? Gegen Cash!

Dienstag, November 3rd, 2009

Ecuador’s Präsident Correa hat einen neuen Vorstoss gewagt im Spiel um Naturschutz, Ölförderung und Emissionshandel… Ein Drittel der Einkünfte Ecuadors stammen aus dem Verkauf von Rohöl, ein Fünftel der noch vorhandenen Vorräte liegen unter dem Nationalpark Yasuni, mit einem geschätzen Förder-Wert von 7 Milliarden Dollar.amazonien

Der Yasuni Park zählt jedoch gleichzeitig zu einem der artenreichsten Gebiete der Erde mit mehr als 650 Baum-und Pflanzenarten pro Hektar. Zudem leben in diesem Gebiet zwei Stämme, die sich entschlossen haben weiterhin fern jeglicher Zivilisation und vom Staat völlig unbehelligt zu leben.

Correa vertritt nun die Meinung, dass nicht nur  Ecuador verpflichtet ist, die Natur und Menschen des Parks zu schützen, sondern ja schliesslich auch die Weltgemeinschaft ein Interesse daran hat, dass das Öl unter der Erde bleibt.

Schliesslich wird so zum einen die Artenvielfalt bewahrt, zum anderen aber auch 400Millionen Tonnen CO2 weniger emittiert (dabei ist nur die Menge Co2 gerechnet, die durch das Verbrennen des Öls entstehen würde, nicht gerechnet ist der positive Effekt der Co2 Speicherkapazität des Waldes, der dadurch erhalten bleibt).

Ecuador verlangt nun für die Nichtförderung des Öls eine Entschädigung und zwar 350 Millionen $ pro Jahr , die Hälfte des Wertes. Und dies für 10 Jahre. Es soll auf jeden Fall auch für spätere Regierungen profitabler sein, den Deal mitzutragen, als das Öl zu fördern.

Dieses Geld soll von einem Trust Fund verwaltet werden, unter internationaler Aufsicht und soll hauptsächlich für soziale Zwecke und die Umwelt ausgegeben werden.

Das ecuadorianische Angebot könnte Yasuni retten, in Deutschland und Spanien ist es jedenfalls schon auf Interesse gestossen. Trotzdem gibt es auch konträre Ansichten:

Aktuell würden durch das Abkommen nicht weniger Emissionen entstehen, denn die Nachfrage nach Öl würde einfach  woanders befriedigt werden. Lediglich in der Summe würde weniger Öl verbrannt.

Gegner des Vorhabens sagen, dass die grosse Summe nicht gerechtfertigt ist für solch ein kleines Stück Land. Ausserdem wäre es Ecuadors eigene Pflicht, den Wald und Biodiversität zu schützen, auch ohne internationale Hilfe

Was passiert, wenn der Ölpreis aufgrund Knappheit signifikant steigt? Dann müsste auch die Entschädigungssumme neu verhandelt werden.

Was passiert, wenn andere betroffene Länder, ähnlich Projekte starten?

Einige Antworten auf diese EinwänÖlpipelinede: Die Biodiversität ist in fast allen Ländern bedroht aufgrund der extremen Bedürfnisse der entwickelten Welt, wir sind direkt verantwortlich. Und wenn andere Länder ähnliche Projekte starten, dann hängt es trotzdem noch vom Willen und der Beurteilung der geldgebenden Länder ab, was passiert. Die Entscheidung ist offen. Und schliesslich schlägt Ecuador doch einen sehr fairen Handel vor: Ihr zahlt, dafür schützen wir unseren Wald und mit dem Geld tun wir auch noch Gutes. Normalerweise läuft der Emissionshandel ja eher so: Ein Industrieland bezahlt für die Einsparung von Emissionen anderswo, um dann selbst mehr Emissionen verbuchen zu dürfen…

Die Frage ist letztendlich:

Können wir es uns leisten, soviel Geld für ein solch kleines Projekt mit vielen unbeantworteten Fragen und eventuellen Risiken auszugeben?

Oder können wir  es uns wirklich leisten, dies nicht zu tun?

Bisher ist allerdings noch nichts passiert.

Mehr dazu, allerdings in englisch: A forest of issues und 

Was ist ein “GROUCHA”?

Mittwoch, September 16th, 2009

Das fragte ich mich verzweifelt, als mich Roland auf dem Markt in Foix ansprach und meinte, das unsere Produkte doch gut bei ihrem GROUCHA reinpassen würden…

Die Franzosen lieben Abkürzungen, diese werden mit grosser Selbstverständlichkeit für alles eingesetzt, da steht man als Ausländer häufig etwas hilflos da. Na, lange Rede, kurzer Sinn, ein GROUCHA ist eine “Group d’achat”, tout simplement, eine Einkaufsgemeinschaft.

Mehrere Gruppen von Leuten, die gemeinsam allerlei Produkte in grossen Mengen, und daher natürlich viel günstiger einkaufen.  Und nun gehört unsere Trinkschokolade auch zu diesen Produkten.

Das wäre an sich eigentlich keine grosse Meldung, allerdings ist damit eine sehr schöne Erfahrung verbunden, die sehr gut zu unserer Bouga-Idee passt.

Es ist eben nicht nur eine Einkaufsgemeinschaft, sondern es sind auch Leute, die sich in ihren sogenannten Regionalgruppen häufig, z.B. zwecks Bestellungserstellung, und zweimal im Jahr alle zusammen treffen. Und bei einem solchen halbjährlichen Treffen waren wir eingeladen.

Da wurde dann ein Tag zusammen verbracht, im Vorfeld hatten zwei Personen ein Diskussionsthema vorbereitet und den Austausch zu diesem Thema moderiert. Das erschien uns anfangs etwas übertrieben, stellte sich dann aber als ungemein bereichernd heraus. Wann sonst nimmt man sich die Zeit, ernsthaft über unsere Lebensweise zu debattieren, Bedürfnisse zu überdenken und Möglichkeiten der Verbesserungen zu suchen, neue Ansätze kennen zu lernen. Die Begriffe “nachhaltig” und “fair”, die wir bei Bouga ja auch immer im  Munde führen, auch einmal auf unsere Gesellschaft anzuwenden.

Dann gab es noch eine sogenannte Börse: “ich gebe - ich suche” , ein geldloser Austausch gesuchter Dinge und Hilfeleistungen. Und ganz bewusst ging es eben nicht darum, für das eigenen Angebot etwas anderes zu bekommen, sondern es gab auch geben ohne nehmen oder umgekehrt, je nach Bedürfnis. Da war alles dabei, von Badewanne als Tränke für die Kuhweide bis Hilfe auf der Baustelle. Und dann hat noch jemand einen Sack Kartoffeln verschenkt.

Es wurde uns wieder einmal bewusst, wie wichtig es manchmal ist, aus seinem kleinen Eck  raus zu kommen und sich um zu schauen….